Das Rheinland

Das heutige Rheinland – geografische Facts

Das aktuelle Rheinland umfasst die Gebiete am deutschen Mittel- und Niederrhein.

Karte des Mittelrheins

Karte des Mittelrheins (© Lencer via Wikimedia Commons)

Um sich ein Bild davon zu machen, wie weit sich das Gebiet um den Mittelrhein erstreckt, muss man wissen, dass der Mittelrhein ein 130 km langer Flussabschnitt zwischen den Mündungen der Nahe bei Bingen sowie der Sieg gegenüber von Bonn ist. Im Flusstal, welches im Norden von der Kölner Bucht und dem Niederrhein, im Osten von Taunus, Westerwald und Siebengebirge, von Hunsrück und Eifel im Westen und der Oberrheinebene im Süden begrenzt wird, leben rund 450.000 Menschen.

Karte des Niederrheins

Karte des Niederrheins (© By TUBS via Wikimedia Commons)

Die Region Niederrhein beginnt südöstlich an der Siegmündung und grenzt an die Niederlande im Westen des Landes Nordrhein-Westfalen. Das eigentliche Niederrheingebiet ist von den Nachbarlandschaften nicht eindeutig geografisch abgrenzbar. Es bildet auch geologisch, historisch, politisch wie kulturell keine kontinuierliche Einheit. Zudem kommt, dass sich Teile des Niederrheins mit dem Ruhrgebiet überlagern. Am ehesten lässt sich also das Niederrheingebiet durch dessen Bewohner definieren, die zum Niederländischen Teil gehören jedoch niederrheinischen Dialekt sprechen.

Die Geschichte des Rheinlandes

Bis ins 18. Jahrhundert kann man nicht von „Rheinland“ sprechen. Das Gebiet war im Wesentlichen auf diverse Herzogtümer und die katholischen Kurfürstentümer Köln, Mainz und Trier, deren Verwaltung in erzbischöflicher Hand lag, aufgeteilt. Daneben gab es auch Grafschaften, Herrschaften, Abteien, kleinere Enklaven sowie die alten Reichsstädte Aachen und Köln. Die Bewohner der einzelnen Regionen bezeichneten sich als Berger, Jülicher, Klever, Kölner oder Geldener – der Begriff „Rheinländer“ war zur damaligen Zeit noch nicht gängig.

Seiner Bezeichnung kam das Rheinland mit der Annektierung durch Frankreich 1797 näher, mit welcher die politische und gesellschaftliche Struktur vereinheitlicht wurde. Der rheinländische Identitätsbegriff begann sich aber erst ab 1815 herauszubilden, nachdem der Wiener Kongress die besagten Gebiete an Preußen übergab. 1822 etablierte sich der Begriff „Rheinprovinz“ (in seiner latinisierten Form Rhenania) endgültig und bezog sich insbesondere auf die Regierungsbezirke Aachen, Düsseldorf, Köln, Koblenz und Trier. Doch nicht alles, was die Preußen in der „Rheinprovinz“ einführen wollten, wurde auch gutgeheißen. So beharrten die Bürger auf den von den Franzosen eingeführten Code Napoleon, der für alle die Gleichheit vor dem Gesetz postulierte. So etwas kannte Preußens Allgemeines Landrecht überhaupt nicht. Der Code Napoleon wurde erst 1900 gänzlich vom Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst.

Durch die Alliierte Rheinlandbesetzung 1918/19 bekam die Bezeichnung Rheinland eine neue Bedeutungsebene. Von nun an meinte man damit nicht nur das linksrheinische Deutschland, sondern ebenso die rechtsrheinischen Gebiete um Köln, Koblenz und Mainz.

Der Zweite Weltkrieg brachte erneut Gebietsaufteilungen mit sich. Nun wurde das Rheinland in den rheinland-pfälzischen Mittelrhein und den nordrhein-westfälischen Niederrhein aufgeteilt. Lediglich ein kleiner Teil des nördlichen Mittelrheins gehört heute zum Land Nordrhein-Westfalen. Zu Rheinland-Pfalz hingegen gehört der Großteil der Gebiete am Mittelrhein inklusive Rheinhessen, die bayrische Rheinpfalz sowie die rechtsrheinische Region unterhalb der Höhe von Bonn bis zum Rheingau-Taunus-Kreis. Zwar meint Rheinland, wie zu Anfang erwähnt, die Gebiete am deutschen Mittel- und Niederrhein, doch bürgert sich mittlerweile immer mehr eine auf den nordrhein-westfälischen Teil reduzierte Definition ein.

Landschaftliche Highlights

Der nordrhein-westfälische Landesteil wartet mit dem in der Eifel gelegenen Berg Weißer Stein auf, der mit 689 m die höchste Erhebung der Region darstellt. Die höchste Erhebung des gesamten Rheinlandes befindet sich dagegen in der Rheinland-Pfalz: der 816 m hohe Erbeskopf im Hunsrück. Letzterer ist ebenfalls der höchste deutsche Berg links des Rheins, der das Land von Südosten nach Nordwesten durchquert und zwischen Bonn und Bingen das Rheinische Schiefergebirge zerschneidet.

Bildbeschreibung: Die mittelalterliche Stadt Cochem am Rhein.

Die rheinische Kultur

In der 2001 erschienen umfangreichen Aufsatzsammlung unter dem Titel „Rheinisch – Zum Selbstverständnis einer Region“ von Gunter Grimm und Bernd Kortländer kann der interessierte Leser genaueres über die Landes- und Regionalgeschichte, Geschichtskultur, Kirche und Landschaft erfahren. Zurecht wird aber auch das Augenmerk auf die folgenden Bereiche gelegt.

Sprache

Die Dialekte des Rheinlandes sind uralte Sprachen, die bis ins erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung zurückreichen. Die Frage jedoch, wieviele Dialekte es eigentlich im Rheinland gibt, kann nicht verbindlich beantwortet werden. Eines ist dennoch sicher: Im nordrhein-westfälischen Teil Rheinlands finden sich sechs Dialekträume sowie eine kleine Dialektinsel am unteren Niederrhein. Diese werden nach den zwei wichtigsten Einteilungslinien für den Raum zwischen der niederländischen Grenze, Westfalen und Eifel kategorisiert: der Uerdinger und der Benrather Linie. Der Dialekt in Rheinland nennt sich auch Platt oder Mundart. In Köln spricht man Kölsch (siehe nachfolgendes Video).

 

Außerdem ist in jedem rheinländischen Ort neben dem Dialekt und dem Hochdeutsch ebenso ein Regiolekt zu hören, das heißt, eine regional differierende Umgangssprache. Sätze aus dem Regiolekt würden beispielsweise lauten: „Dat habbich nich gesacht“ oder „Du krisset noch kaputt“.

Zum bunten Sprachspektrum Rheinlands gehören ebenso die Sondersprachen. Früher waren es unter anderem Geheimsprachen wie das heute nicht mehr benutzte Henes in Breyell am Niederrhein oder das Rotwelsche der ehemals in Stotzheim bei Euskirchen ansässigen Wanderhändler. Heute sind es die Fachsprachen bestimmter Berufsgruppen, die sich mit den örtlichen Dialekten verzahnen.

Literatur

Als mythologische Landschaft wurde der Rhein durch die deutsche Romantik, auch bekannt unter Rheinromantik, zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Teil entdeckt, zum Teil erst kreiert. Die Erfahrung der französischen Besetzung hat den Rhein als deutschen Kulturraum zu einem Hauptthema gemacht. Zu nennen sind hier insbesondere der Düsseldorfer Heinrich Heine, der aus Rügen stammende Ernst Moritz Arndt, Clemens Brentano aus Koblenz-Ehrenbreitstein wie auch der Hannoveraner Friedrich Schlegel.

Nach 1800 wurden auch vermehrt rheinische Sagen und Mythen gesammelt. Das bekannteste Sujet der Rheinromantik ist der Lorelei-Mythos, der auf Brentanos Ballade „Lore Lay“ von 1800 zurückgeht. Im Großen und Ganzen waren es vor allem alte Märchen, Legenden als auch neuere Kunstsagen und literarische Werke des 19. Jahrhunderts, die zu einem rheinischen Regionalbewusstsein beitrugen, welches sich damals erst in der Entstehung befand.

Die Region Rheinland erscheint als ausgebildeter Kulturraum erstmals in der von Wilhelm Schäfer herausgegebenen Zeitschrift Die Rheinlande. Schäfer setzte sich für das „Volkstümliche“ als Dreh- und Angelpunkt literarischer Kunst ein. Sich selbst bezeichnete er als erster „Rheinischer Dichter“.

Die zeitgenössische Ausprägung rheinischer Literatur ist in den seit ca. 1980 aufgekommenen Regional-Krimis angesiedelt. Nennenswert sind die Eifel-Krimis von Jacques Berndorf sowie die Niederrhein-Krimis des „Trio Criminale“ Artur Leenders, Michael Bay und Hiltrud Leenders.

Musik

Die „Rheinische Musik“ ist derart vielschichtig, dass eine Definition nicht wirklich sinnvoll wäre. Die Musikhistoriker Willi Kahl und Ludwig Schiedermair sehen in Ludwig van Beethovens Musik den Inbegriff des Rheinischen. Landläufig gelten aber die Karnevalslieder, die Wein, Weib und Gesang thematisieren, als charakteristische „rheinische Musik“. Diese wird vor allem mit der „rheinischen Mentalität“ – Frohnatur, feinsinnigem Humor und Kontaktfreudigkeit – assoziiert.

Küche

Aufgrund der unterschiedlichen landwirtschaftlichen Anbaugebiete, verfügbarer Ressourcen und Traditionen kann man nicht von einer „rheinischen Küche“ sprechen. Es lassen sich viel eher mehrere regionale Sonderentwicklungen erkennen, von denen die bekanntesten die Küchen des Niederrheins, des Bergischen Landes wie auch der Städte Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen sind.

Grundsätzlich ist die traditionelle Rheinische Küche durch einfache und deftige Speisen gekennzeichnet, deren wichtigsten Bestandteile Gemüse, Kartoffeln, Milch, Fleisch und Butter sind. Der Einfluss umliegender Regionalküchen wie etwa der niederländischen und westfälischen Küche ist ebenfalls erkennbar. So wurde zum Beispiel die Vorliebe für Heringe – insbesondere in Form des berühmten Matjes-Herings –  aus den Niederlanden übernommen.

Auch der Einfluss der katholischen Kirche und der kirchlichen Feiertage findet in der Rheinischen Küche seinen Niederschlag. Das spiegelt sich in den nur wenigen Fleischspeisen wider. Sonntags wird häufig der rheinische Sauerbraten serviert, zu Weihnachten die „Martinsgänse“ und zu Silvester Karpfen.

Beispiele für bekannte rheinische Spezialitäten sind: Bergische Waffeln, Halver Hahn, Kottenbutter, Krüstchen, Lieberhäuser Eierkuchen, Panhas oder Röggelchen. Getrunken wird – je nachdem, wo man sich gerade aufhält – Kölsch, Pilsner Bier, Altbier oder Weine von der Mosel und vom Rhein.

Brauchtum

Unbedingt erwähnt werden muss in diesem Kontext der Karneval. In Köln, Bonn, Mainz und Düsseldorf erfreut sich dieser sogar überregionaler Popularität. Doch auch in kleineren Städten und auf dem Lande wird gefeiert, wobei hier oft die gesamte Bevölkerung bei den traditionellen Umzügen mitmacht.

Bildbeschreibung: Der Kölner Karneval ist ein wahrer Publikumsmagnet.

Ein weiteres traditionelles Brauchtum sind die Schützenfeste am Niederrhein und darüber hinaus. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl von über 6000 Aktiven, ist das Neusser Bürger-Schützenfest bekannt. Jedes Jahr findet auch für die Dauer von neun Tagen Annakirmes in Düren statt, das mit rund einer Million Besuchern eines der größten Volksfeste im Rheinland ist.